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Kläranlage Erlensee: Hier läuft´s auch in Krisenzeiten

[Erlensee, 31.03.20]

 

Mehrmals täglich verrichten wir alle unsere kleinen und großen Geschäfte – und zu Zeiten von Corona in unseren „Büros daheim“, im sogenannten Homeoffice.  Unbefristete Kontaktsperren sorgen dafür, dass wir derzeit verstärkt die Toilettenschüsseln in unseren Wohnorten benutzen. „Bleiben Sie zu Hause“ – lautet das Motto in dieser weltweiten Ausnahmesituation. Was wir dort am dringendsten brauchen haben wir schon eingekauft – Klopapier – mit dessen Verarbeitung haben die Fachkräfte auf der Erlenseer Kläranlage schon immer viel zu tun.
In 24-Stunden-Diensten wird dafür gesorgt, dass der Abfluss an Spitzentagen aus 27.000 Haushalten fließt und am Ende das Wasser gereinigt in die Kinzig geleitet und Klärschlamm verbrannt wird. „Jeder muss hier alles können – an der Anlage hängen neben Erlensee auch Neuberg und Butterstadt. Sie kann nicht abgeschaltet werden“, sagt Thomas Partsch, stellvertretender Betriebsleiter. „Denk dran die Maske aufzuziehen, wenn du ins Rechengebäude gehst“, erinnert Partsch seine Kollegin Julia Schumacher, die vor ihrem anstehenden Wochenend-Dienst im Klärwerk, wie üblich, kurz telefonisch mit dem Betriebsleiter alles Nötige abspricht. 
In Corona-Zeiten sind die Maßnahmen zum Gesundheitsschutz der insgesamt 6 Mitarbeiter und einer Mitarbeiterin noch einmal verstärkt worden. „Hier kommt ja alles an und da ist alles drin, auch das Virus“, erklärt Partsch. Desinfektionsmittel stehen direkt neben der Eingangstür, permanentes Händewaschen wurde noch wichtiger. Neu angeschaffte Atemmasken dienen dazu, gesundheitsschädliche Aerosole aus dem Gesicht und den Atemwegen zu halten.  Arbeitskleidung, die auf der Anlage getragen wird, bleibt hier und wird vor Ort in der Waschmaschine gereinigt.

Komplexe Tätigkeiten
Die Anlage ist weitläufig: 30 abwassertechnische Pumpstationen, Regenabschlagsbauwerke, und Regenklärbecken, die im Ortsgebiet verteilt sind, gehören dazu und werden von hier aus mitbetreut. Die zu verrichtenden Arbeiten sind sehr komplex. So müssen regelmäßig Wartungsarbeiten an Elektrischen Schiebern (welche zur Durchflussregelung im Kanalnetz eingebaut sind), Feststoffzerkleinerer (Mazeratoren) und Schmutzwasserpumpen, die speziell für stark verschmutztes Abwasser ausgelegt sind, durchgeführt werden. Aber auch die Instandhaltung und Pflege der technischen und elektrischen Einrichtung in den Außenbauwerken sowie auf der Kläranlage gehören zu den Stammaufgaben des Betriebspersonals. Tägliches Analysieren des ankommenden und des gereinigten Abwassers im betriebseigenen Labor sind ebenfalls ein wichtiger Teil und werden zusätzlich vom Regierungspräsidium überwacht.
„Es dürfen keine Abwässer in die Kinzig eingeleitet werden, die bestimmte Vorgaben (Parameter) wie z.B. Ammoniumgehalt, Nitratgehalt, Phosphat, ortho Phosphat, pH-Wert im neutralen Bereich, Kohlenstoffe, Schwermetalle und absetzbare Stoffe überschreiten“, erklärt Betriebsleiter Kai Fucker.
Manche Anlagenteile sind sehr wartungsintensiv. Pumpen werden wöchentlich kontrolliert. Für die Kanalnetzbetreuung wurde eine Fremdfirma beauftragt. Verstopfungen werden im Notfall mit dem eigenen Spülfahrzeug gereinigt. Normalerweise würde das gesamte Netz einmal komplett im Jahr durchgespült. Aufgrund der Corona-Krise und dem Personalmangel sei dies nicht zu leisten. Wenn es viel regnet, sei das nicht so schlimm. Bei länger andauernder Trockenheit aber appelliert Fucker, kann es sinnvoll sein, die Toilettenspülung etwas länger laufen zu lassen um einen besseren Abfluss im Kanal zu ermöglichen. So reduziert sich die Gefahr einer Verstopfung und des daraus resultierenden Rückstaus und/oder einer Faulgasbildung.

Außerdem erinnert er auch noch einmal daran, wirklich nur Toilettenpapier in die Toilette zu werfen. Zahnseide, Hygieneartikel, wie Feuchttücher, Binden und Tampons sowie Ohrstäbchen lösen sich im Abwasser nicht auf und gehören deshalb nicht in den Abfluss.

Der Einsatz der TV-Inspektionsfahrzeuges laufe derzeit nur im „Feuerwehr-Einsatz“, also in dringenden Fällen.   

„Auch an den Wochenenden muss die Kläranlage mit einer Person besetzt sein. Bei Reparaturarbeiten ist zwingend ein/e zweite Fachangestellte/r erforderlich“, so Partsch. Dafür gebe es die Rufbereitschaften.  Ab nachmittags bis zum nächsten Morgen sind dafür Mitarbeiter telefonisch abrufbar. „Das war erst vergangenen Sonntag der Fall, als am Längsräumer der Antriebsmotor ausgefallen war. Der musste gleich repariert werden, sonst hätten die Fette nicht abgetragen werden können“, sagt Thomas Partsch.
Es gibt eine Reihe von Gefährdungen auf der Anlage, sagt Betriebsleiter Fucker. Deshalb müssen alle Mitarbeiter zum Eigenschutz im Dienst mit einem speziellen Handy ausgestattet sein, dass sofort alarmiert und eine Positionsmeldung ausgibt, sollte jemand verletzt am Boden liegen. Bestimmte Bereiche dürften auch nicht alleine bearbeitet werden!
Faulturm wird saniert
Beim Rundgang auf dem Gelände wird die Gefahr sehr anschaulich: „Sprudelndes Wasser im  Nitrifikationsbecken, das durch die Einperlung von Sauerstoff entsteht, verliert wegen der Dichteveränderung seine Tragkraft und wird bei einem Sturz in dieses Becken zu einer tödlichen Falle. Schwimmen ist hier nicht möglich. „Wenn da jemand reinfällt muss sofort alles abgeschaltet werden, man geht sofort unter,“ so Kai Fucker.
Die Kläranlage verfügt über einen Faulturm, in dem aus Faulschlamm Klärgas produziert wird. Dieses kann anschließend zum Heizen oder zur Stromerzeugung genutzt werden. Zurzeit wird er aber aufwendig saniert.
Der tägliche Schlammanfall beläuft sich momentan auf 35-50m³/Tag. Nach dem Faulprozess wird der ausgefaulte Schlamm dann über eine Zentrifuge entwässert und  per LkW im umliegende Verbrennungsanlagen abtransportiert.
Die Abläufe in den Anlagen des Erlenseer Klärwerkes  sind komplex und müssen rund um die Uhr gewährleistet sein.

Das Foto links zeigt Thomas Partsch an der Nitrifikationsanlage.

Der Faulturm wird von innen grundsaniert.

Die Überwachung der gesamten Anlagen läuft über Computer, bei Reparaturen müssen immer zwei Mitarbeiter im Einsatz sein. Fotos: Petra Behr